Immer vorher fragen
Nie jemanden als Referenz angeben ohne explizite Erlaubnis – sonst Peinlichkeit garantiert.
Referenzen sind ein zentrales Element des Schweizer Bewerbungsdossiers – anders als in vielen anderen Ländern, wo "References available upon request" oft Standard ist. In der Schweiz werden Referenzen tatsächlich angerufen, meist nach dem Vorstellungsgespräch und vor dem Vertragsangebot. In meinen 8 Jahren als Laufbahnberater habe ich gesehen, wie starke Referenzen Bewerbungen gerettet haben – und schwache oder fehlende Referenzen qualifizierte Kandidaten gekostet haben. Die Wahl der richtigen Referenzpersonen, die richtige Vorbereitung und die korrekte Angabe im CV sind deshalb entscheidend. Dieser Guide zeigt dir, wer als Referenz taugt, wie viele du angeben solltest, wie du deine Referenzpersonen optimal vorbereitest, was zu tun ist, wenn du keine Referenzen hast, und wie du mit kritischen Situationen umgehst (z.B. schlechtes Verhältnis zum letzten Arbeitgeber). Wer Referenzen richtig macht, erhöht seine Einstellungschance spürbar.

Schweizer Arbeitgeber kontaktieren Referenzen fast immer – es ist fester Bestandteil des Standard-Rekrutierungsprozesses. Das hat kulturelle und rechtliche Gründe: Die Schweizer Arbeitswelt basiert auf Vertrauen und Netzwerken, persönliche Einschätzungen zählen. Zudem können Arbeitszeugnisse in der Schweiz zwar gerichtlich überprüft werden, sind aber oft verschlüsselt formuliert – Referenzen geben ungeschminktere Einblicke. Eine starke Referenz kann den Ausschlag zwischen zwei gleichwertigen Kandidaten geben. Eine schwache Referenz oder der Ruf "Vorgesetzter möchte nicht als Referenz genannt werden" wirft massiv Zweifel auf. Der typische Prozess: Nach dem finalen Vorstellungsgespräch kontaktiert der potenzielle Arbeitgeber 2-3 Referenzpersonen telefonisch. Das Gespräch dauert 15-30 Minuten. Gefragt wird: Wie war die Zusammenarbeit? Was sind die Stärken des Kandidaten? Was sind Entwicklungsfelder? Warum hat er/sie das Unternehmen verlassen? Würden Sie ihn/sie wieder einstellen? Die Antworten fliessen direkt in die Einstellungsentscheidung ein. Einige Konzerne nutzen auch professionelle Reference-Check-Services (z.B. crefotrack.com), die Referenzen systematisch einholen.
2-3 Referenzpersonen sind der optimale Mix in der Schweiz. Weniger als 2 wirkt dünn, mehr als 4 wirkt übertrieben. Die Zusammenstellung: Mindestens eine Referenz sollte ein direkter Vorgesetzter sein – das ist die wertvollste Perspektive. Die zweite kann ein Projektleiter, Teamkollege, Kunde oder HR-Verantwortlicher sein. Die dritte ergänzt das Bild: eine ehemalige Chefin, ein Mentor oder ein Branchenexperte, der deine Arbeit kennt. Je senioriger deine Zielposition, desto wichtiger werden Referenzen auf Augenhöhe (andere Geschäftsleitungsmitglieder, Verwaltungsräte, Investoren). Bei Berufseinsteigern: Lehrperson, Schnupperlehr-Betreuer, Trainer, ehrenamtlicher Vorgesetzter oder Professoren können als Referenz dienen. Achtung: Alle Referenzen aus derselben Firma wirken wie Copy-Paste. Streue über verschiedene Stationen – idealerweise die letzten 2-3 Arbeitsstellen. Bei hohen Positionen (Executive, C-Level) können auch Board-Mitglieder oder externe Business-Partner als Referenz dienen. Freiberufler geben idealerweise 2-3 Kunden-Referenzen an. Wichtig: Die Qualität der Referenz schlägt die Quantität. Eine Person, die wirklich gut Auskunft geben kann, ist wertvoller als drei Namen, die sich nur vage erinnern.
Die Angabe der Referenzen erfolgt in der Schweiz üblicherweise im CV selbst – am Ende, nach Interessen/Hobbys. Pro Referenz gib an: Vollständiger Name und Titel, aktuelle Funktion und Firma, direkte Telefonnummer (nicht Zentrale), E-Mail-Adresse. Optional, aber empfehlenswert: Beziehung zu dir ("Ehemaliger direkter Vorgesetzter bei Firma XY, 2020-2023"). Die zusätzliche Kontextangabe hilft dem HR-Profi, die Perspektive der Referenz einzuordnen. Beispiel-Format: "Thomas Müller, ehem. Direkter Vorgesetzter, CEO Beispiel GmbH, +41 79 123 45 67, thomas.mueller@beispiel.ch". Alternativ kannst du Referenzen in ein separates Dokument packen ("Referenzliste") – besonders bei sehr umfangreichen Angaben oder wenn Platz im CV knapp ist. Formuliere keine Referenz-Zitate im CV ("Er war der beste Mitarbeiter, den ich je hatte" – Max Muster) – das wirkt unprofessionell und übertrieben. Referenzen werden kontaktiert, sie sind nicht als Werbung gedacht. Die Kontaktdaten müssen immer aktuell sein. Prüfe monatlich, ob die Nummern und E-Mail-Adressen noch stimmen – Referenzpersonen wechseln auch ihre Firmen und Jobs. Eine Referenz, die nicht erreichbar ist, wirkt negativ auf dich.
Die wichtigste Regel: IMMER vorher fragen. Nie eine Person als Referenz angeben, ohne ihr Einverständnis einzuholen. Es ist schlechter Stil und kann massiv nach hinten losgehen, wenn die "Referenz" völlig überrascht angerufen wird. Mein Vorgehen: Rufe deine Wunsch-Referenzperson direkt an (keine E-Mail – persönlich ist wertschätzender) und sage: "Ich bewerbe mich gerade aktiv. Wärst du bereit, als Referenz für mich zu dienen?" Meistens kommt sofort ein Ja. Falls nicht, hast du frühzeitig Klarheit. Nach dem Ja: Informiere die Person konkret über jede Bewerbung. "Ich habe mich bei Firma XY als [Rolle] beworben. Es kann sein, dass du in den nächsten 2-3 Wochen angerufen wirst." Das gibt der Referenz Kontext und Zeit zur Vorbereitung. Gib ihr zusätzliche Informationen: Was ist die Rolle? Was sind meine Schlüsselbotschaften für diese Bewerbung? Welche Projekte/Erfolge soll sie betonen? Sende ihr deine aktuelle CV-Version und die Stellenausschreibung. Je besser deine Referenz vorbereitet ist, desto stärker wird das Gespräch. Nach dem Referenzanruf: Frage nach. "Hast du inzwischen einen Anruf bekommen? Wie war das Gespräch?" So bekommst du Feedback und kannst dich bei der Referenz bedanken. Bedanke dich nach jeder Bewerbung – ob Job angenommen oder nicht. Referenzen sind ein Netzwerk, das gepflegt werden will.
Wer seine Referenzen gut vorbereitet, sollte ihnen die typischen Fragen kennen. Die Standardfragen: (1) "Wie kennen Sie [Name] und wie lange haben Sie zusammengearbeitet?" (Kontext) (2) "Was sind die grössten Stärken des Kandidaten?" (meist positive Eröffnung) (3) "In welchen Bereichen sehen Sie Entwicklungspotenzial?" (diplomatische Version von "Was sind seine Schwächen?") (4) "Wie war die Zusammenarbeit im Team?" (Soft Skills) (5) "Hat der Kandidat Ihre Erwartungen erfüllt?" (Performance) (6) "Warum hat der Kandidat Ihr Unternehmen verlassen?" (Austrittsgrund) (7) "Würden Sie den Kandidaten wieder einstellen?" (Killer-Frage, muss mit Ja beantwortet werden) (8) "Wie passt der Kandidat in unsere Unternehmenskultur?" (Fit-Check). Je nach Position kommen weitere Fragen: Führungskompetenz, Konfliktlösung, strategisches Denken, Umgang mit Stress. Bereite deine Referenzen auf diese Fragen vor. Besprich mit ihnen: Welche konkreten Beispiele zeigen meine Stärken? Wie positionieren wir die "Entwicklungsfelder"? Wie erklären wir den Austrittsgrund positiv? Eine gut vorbereitete Referenz antwortet überzeugt und konkret – eine unvorbereitete stammelt oder antwortet schwammig, was negativ wirkt. Wichtig: Keine scripted Antworten. HR-Profis erkennen einstudierte Phrasen. Die Referenz soll authentisch sprechen, aber gut vorbereitet sein.
Manchmal hat man keine idealen Referenzen: Erster Job nach der Ausbildung, schlechtes Verhältnis zum Ex-Chef, Firma existiert nicht mehr, oder der aktuelle Arbeitgeber darf nichts von der Bewerbung wissen. Kein Grund zur Panik – es gibt Lösungen. Erstens: Alternative Referenzpersonen finden. Ehemalige Kollegen auf gleicher Ebene (peers), die dich gut kannten und heute selber Führungskräfte sind. Kunden, mit denen du zusammengearbeitet hast. Lieferanten oder Business-Partner. Mentoren oder Coaches. Vereinsvorstände oder ehrenamtliche Vorgesetzte. Lehrpersonen, Dozenten, Professoren. Zweitens: Hinweis auf "Referenzen auf Anfrage". Ist in der Schweiz weniger üblich, wird aber akzeptiert. Formulierung: "Referenzen werden gerne auf Anfrage zur Verfügung gestellt." Bei tatsächlicher Anfrage sofort konkrete Namen liefern. Drittens: Schriftliche Referenzschreiben. Wenn Referenzpersonen weit weg oder schwer erreichbar sind, bitte um ein kurzes Referenzschreiben (1 Seite, A4). Füge es dem Bewerbungsdossier bei. Viertens: LinkedIn-Empfehlungen. Sammle auf LinkedIn Empfehlungen von ehemaligen Kollegen und Vorgesetzten. Das ist kein Ersatz für telefonische Referenzen, aber ein gutes Zusatzsignal. Fünftens: Öffentliche Referenzen. Veröffentlichte Artikel, Vorträge, Projekte, Open-Source-Beiträge – das sind "stille Referenzen", die deine Qualifikation belegen ohne persönliche Empfehlung.
Wenn die Beziehung zum letzten Arbeitgeber schwierig ist (Konflikt, schlechte Trennung, arbeitsrechtliche Auseinandersetzung), ist besondere Vorsicht geboten. Erstens: Ehrliche Selbsteinschätzung. Würde dein Ex-Chef dich heute positiv beurteilen? Wenn nein, nicht als Referenz angeben. Zweitens: Alternative im gleichen Unternehmen suchen. Hattest du gute Beziehungen zu anderen Vorgesetzten, Teamleitern, Kollegen auf Führungsebene? Diese können als Referenz dienen. Drittens: Ältere Referenzen bevorzugen. Wenn die letzte Station problematisch ist, nutze Referenzen aus den Stationen davor. HR-Profis verstehen, dass man in jüngeren Stellen keine Referenz angeben möchte (oft mit dem Hinweis "aktueller Arbeitgeber noch nicht informiert" – das ist legitim). Viertens: Proaktiv damit umgehen. Im Vorstellungsgespräch offen ansprechen: "Aus dem letzten Arbeitsverhältnis möchte ich keine Referenz nennen, da wir uns nicht unter optimalen Bedingungen getrennt haben. Gerne können Sie meine Referenzen aus früheren Stationen kontaktieren." Ehrlichkeit wird geschätzt. Fünftens: Rechtliche Grenzen kennen. In der Schweiz darf ein Ex-Arbeitgeber keine ungerechtfertigt negativen Aussagen machen – das ist Persönlichkeitsverletzung (OR Art. 328). Wenn du falsche Aussagen befürchtest: Anwalt konsultieren, ggf. Unterlassungsschreiben.
In der Schweiz ist es üblicher, Referenzen direkt im CV aufzuführen als "auf Anfrage" anzugeben. Gründe: Direkt genannte Referenzen wirken transparent und selbstbewusst. Sie signalisieren: "Ich habe nichts zu verbergen, ruf gerne an." "Auf Anfrage" dagegen kann den Eindruck erwecken, du hättest etwas zu verheimlichen oder bist unsicher. Trotzdem gibt es legitime Gründe für "auf Anfrage": Massenversand von CVs (will nicht, dass jeder deine Referenzen anruft), sensible Positionen (Headhunter-Prozesse, vertrauliche Stellenausschreibungen), Privatsphäre der Referenzperson (nicht jeder will öffentlich als Referenz gelistet sein). Empfehlung: Bei direkter Bewerbung auf eine konkrete Stelle → Referenzen direkt im CV nennen. Bei Online-Portalen, Headhunter-Bewerbungen oder breiter Stellensuche → "Referenzen gerne auf Anfrage". Wenn du "auf Anfrage" angibst, stelle sicher, dass du auf Anfrage sofort 2-3 konkrete Namen liefern kannst – nicht erst suchen müssen. Beim Wechsel zwischen den Varianten: Passe deinen CV pro Bewerbung an. Eine CV-Version mit konkreten Referenzen für wichtige Bewerbungen, eine "auf Anfrage"-Version für den allgemeinen Versand.
Nie jemanden als Referenz angeben ohne explizite Erlaubnis – sonst Peinlichkeit garantiert.
Mindestens einen Vorgesetzten. Mischung aus verschiedenen Stationen.
Keine Zentrale – HR-Profis haben keine Zeit für Warteschleifen.
Monatlich checken, ob Telefonnummern und E-Mails noch stimmen.
Stellenausschreibung teilen, Schlüsselbotschaften besprechen, konkrete Beispiele erwähnen.
Feedback von der Referenz einholen – du erfährst oft Insider-Infos.
Auch ohne Bewerbung: Kontakt halten, gelegentlich Kaffee trinken.
Kollegen, Kunden, Mentoren können auch als Referenz dienen.
Karriere-Coach und Laufbahnberater. Begleitet seit 8 Jahren Fach- und Führungskräfte beim Wiedereinstieg, Quereinstieg und der Standortbestimmung. Schreibt regelmässig für HR-Fachmagazine.
Ja, fast immer. Es ist ein fester Bestandteil des Schweizer Rekrutierungsprozesses, normalerweise nach dem Vorstellungsgespräch und vor dem Vertragsangebot. Je höher die Position, desto systematischer die Referenzprüfung.
Nur wenn dein aktueller Arbeitgeber weiss, dass du dich bewirbst. Ansonsten nenne einen früheren Vorgesetzten. Potenzielle Arbeitgeber verstehen das und respektieren die Vertraulichkeit. Du kannst im CV vermerken: "Aktueller Arbeitgeber auf Anfrage, nach Vorstellungsgespräch".
Typische Fragen: Wie war die Zusammenarbeit? Stärken und Entwicklungsfelder? Warum hat die Person das Unternehmen verlassen? Würden Sie die Person wieder einstellen? Wie passt sie in Teams? Die Antworten sollen authentisch sein, aber gut vorbereitet. Deine Vorbereitung der Referenz ist entscheidend.
Nicht ohne dein ausdrückliches Einverständnis. Du bestimmst, wer wann kontaktiert werden darf. Seriöse Arbeitgeber fragen vorher und respektieren deine Bitte um Vertraulichkeit gegenüber dem aktuellen Arbeitgeber.
Dann hast du die falsche Person ausgewählt. Vor der Nennung: kläre das Verhältnis – würde diese Person dich heute positiv beurteilen? Im Zweifelsfall: nicht nennen. In der Schweiz sind ungerechtfertigt negative Aussagen über Ex-Mitarbeiter rechtlich problematisch (OR Art. 328 - Persönlichkeitsschutz).
2-3 Referenzen sind optimal. Weniger wirkt dünn, mehr übertrieben. Qualität vor Quantität – eine gut vorbereitete Referenz ist wertvoller als drei oberflächliche.
Ja, besonders wenn sie heute Führungskräfte sind oder wenn es um Teamarbeit geht. Idealerweise kombinierst du aber mit mindestens einem ehemaligen Vorgesetzten – dessen Perspektive ist für Einstellungsentscheidungen besonders relevant.
Nutze alternative Referenzen: Lehrer, Dozenten, Trainer, Vereinsvorstände, Praktikumsbetreuer, ehrenamtliche Vorgesetzte. Sie können deinen Charakter, Arbeitsmoral und Lernbereitschaft bezeugen. Das ist in HR-Abteilungen bekannt und akzeptiert.
Nein, LinkedIn-Empfehlungen sind ein gutes Zusatzsignal, ersetzen aber keine telefonischen Referenzen. Schweizer HR-Profis wollen live mit Personen sprechen, nicht nur geschriebene Testimonials lesen. Baue beide parallel auf.
In der Schweiz ist es üblich, Referenzen direkt im CV zu nennen – das wirkt transparent und selbstbewusst. "Auf Anfrage" ist akzeptiert, aber weniger stark. Bei konkreten Bewerbungen: Referenzen direkt nennen. Bei breitem Versand: "auf Anfrage" mit der Zusicherung, bei konkreter Anfrage sofort Namen zu liefern.
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